Vorgeschichte der Schlacht bei Worringen 1288

Zunächst befaßten wir uns mit der Bedeutung der Schlacht bei Worringen für die heutige Stadt Düsseldorf. Hierbei stellten wir Folgendes fest: Um die Bedeutung der Schlacht nicht nur für Düsseldorf sondern auch für das gesamte Rheinland zu verstehen, muß man zunächst einen größeren geschichtlichen Zusammenhang betrachten, da dieser für das weitere Verständnis unumgänglich ist. Deshalb als Erstes eine Chronologie der wichtigsten vorgeschichtlichen Daten zur Schlacht bei Worringen:

Der Niederrhein wird von den Römern besetzt. Zwischen 457 und 465 erobern die Franken die letzte römiche Festung am Rhein, Köln, und gewann so auch die Herrschaft über den Niederrhein. Das Bergische Land gehörte längere Zeit zum Gebiet der in Köln residierenden ripuarischen Franken, bis Chlodovech (481 - 511) alle fränkischen Stämme zum Gesamtreich vereinigte. Unter seinen Nachfolgern zerfiel es wieder in viele Teilkönigreiche. Vorübergehend wurden sie durch einzelne energische Merowinger zu einer Einheit zusammengefaßt. (Der Niederrhein gehörte zum Königreich Austrasien. Im bergischen Land gab es vereinzelte Kämpfe zwischen den vordringenden Sachsen und den hier herrschenden Merowingern. Über die merowingische Herrschaft am Niederrhein gibt es keine Informationen.

Das Christentum verbreitete sich nur langsam, obwohl große Städt wie Köln schon über fest Bischofssitze verfügte, da die merowingischen Könige, abgesehen von Dagobert dem ersten, die Christianisierung nicht hemmten, aber auch nicht förderten. Ende des 7. Jahrhunderts ist noch großer Teil des rechtsrheinichen Gebietes heidnisch. Erst mit Gründung des Stiftes Kaiserswerth durch den Hl. Suidbertus (695 – 700) sicherte dem christlichen Glauben zur rechten Seite des Rheins, da die Karolinger Suidbertus und so auch das Christentum unterstützten.

Karl der Große sicherte mit seinen Feldzügen gegen die Sachsen den Frieden im Bergischen Land und im Rheinland. Unter seiner Herrschaft kam es zu einem gesicherten Rechtszustand und einem Kulturaufschwung.
Während bei seinen Nachfolgern das geeinte Reich durch unzählige Kämpfe zwischen den Untertanen , die seine Nachfolger nicht bändigen konnten, wieder zerfiel. Es bildeten sich kleine Nationalitätsstaaten die sich im Laufe der Zeit immer mehr abkapselten.

Durch den Vertrag von Verdun kam das Rheinland und auch das Bergische Land unter die Herrschaft Lothars des ersten, König von Lothringen.

Als Lothringen 905 - 925 nicht unter Deutscher Herrschaft stand, wurde Berg weiterhin von deutschen Königen regiert. Später näherte sich Berg wieder an Lothringen an und bekam von ihm pfalzgräfliche Macht. Der Höhepunkt der Macht war Ende des 10. Jahrhunderts als Pfalzgraf Ezzo, Schwager von Otto dem dritten wurde. (großer Teil des linksrheinischen Gebietes, von Aachen bis zur Nahe und rechtstheinisch sämtliche Grafschaften des Bergischen Landes; der Schwerpunkt lag im südlichen Teil des Gebietes. )

Das Gebiet des Landgerichts Kreuzberg, nördlich von Düsseldorf, Besitz Hermann von Stahlecks , wurde von Hermann von Hardenberg verwaltet. Mitte des 11. Jahrhunderts begann der Verfall des Pfalzgräflichen Herrschaft als Pfalzgraf Heinrich nach erfolglosem Widerstand gegen den Kölner Erzbischof Anno das wichtige Siegburg verlor und sich im Zustand der Geisteskrankheit umbrachte.

Mit dem Tod des Sohnes 1095 erlosch die männliche Linie des ersten pfalzgräflichen Hauses. Nachfolgende Pfalzgrafen waren vom Kaiser eingesetzte Beamte. Mit der Erblichkeit des Amtes, die gerade die älteren Familien allmählich den Fürsten gleichgestellt hatte, war auch der ausschlafgebene Einfluß der Pfalzgrafen gebrochen..

Bereits Mitte des 11. Jahrhunderts erstritten sich die Herren und Grafen von Berg durch kluge Politik eine Machtposition (nachgewiesen durch die Traditionsregister der Abtei Werden). Nur die Grafen Hückeswagen konnten sich zeitweise neben den Herren und Grafen von Berg unabhängig behaupten.

Auf dem Gebiet der späteren Abtei Altenberg befand sich das Stammschloß der Herren von Berg. 1059 trat das erste nachgewiesene Mitglied der Familie, Adolf, als Vogt eines Teiles der Werdener Stiftsgüter auf. Der Erwerb weiterer Gebiete stand im Vordergrund.: Vogteien Siegburg und Deutz und die Königsforste Aaper Wald, Miseloh und Königsforst. Aufgrund der tatsächlichen Macht, vielleicht gar nicht auf dem formellen Wege legaler Verleihung, riß das Geschlecht auch die Grafenrechte in seinem Einschlußgebiet an sich; wahrscheinlich geschah dies im Deutzer Gau zuerst (wahrscheinlich 1062)

Zu Beginn des 12. Jahrhunderts festigten sie die Machtposition auch nach außen hin durch die Annahme des Grafentitels. Die Grafen hatten bis 1150 viel erreicht, aber kein vollkommen zusammenhängenden Territorium. Kleine Gebiete gehörten immer noch anderen Herren. Dazu gehörten die kölnischen Orte Hilden und Elberfeld, aber auch die Ortschaft Düsseldorf.

Düsseldorf wurde vor 1150 noch nicht erwähnt, obwohl es größer war als die zum Stift Kaiserswerth gehörenden Dörfer Golzheim, Derendorf und Stockum. Düsseldorf wurde auch schon früher erwähnt, nämlich in einer Schreinskarte von St. Laurenz in Köln. In dieser steht eine Eintragung, wonach zwischen 1135 unf 1159 ein G. de Düsseldorp und Frau Grundbesitz dort besaßen. In einer Urkunde von Papst Hadrian IV (1159) wird berichtet, daß das Kölner Ursulastift aus Düsseldorf Einkünfte von 5 Schillingen bezog.

Man hat den Grafen Engelbert dem ersten (1161 – 1189) als eigentlichen Begründer der Grafschaft Berg bezeichnet, weil er die Besitzungen seines Hauses erheblich erweiterte. Bemerkenswert ist, daß er einen Großteil seiner Besitzungen durch Kauf erwarb und nicht durch Kriegsführung. Durch Darlehen an den Erzbischof Philipp erhielt er die Kurkölnischen Besitzungen Elberfeld, Hilden und Schwelm. Auf gleiche Weise erlangte er auch die Gebiete der Grafschaft Hückeswagen und dadurch die schon lange ersehnte Möglichkeit, sein Land auch unterhalb Kölns bis an den Rhein vorzuschieben. Das Edelherrengeschlecht von Teveren (Ursprung und Hauptsitz das Maasland) war am rechten Rheinufer begütert.
Arnold, ein Mitglied der Familie, ließ sich in seiner Geldnot von Engelbert I zu einem merkwürdigen Vertrag bestimmen:
Arnold erhielt von dem reichen Grafen Mark 100,00 und erhielt das Recht mit seiner Dienerschaft auf dem Schloß Burg kostenfrei zu leben. Als Gegenleistung erhielt Graf Engelbert I die rechtsrheinischen Besitzungen Holthausen, Düsseldorf, Buske (Buschenhof in Derendorf?), Cruthoven (ausgegangener Ort bei Holthausen), Eikenburen bei Wald, Monheim, Himmelgeist und Hongen.
Da die Urkunde undatiert ist, wird als letztmöglicher Termin 1189 genannt, da Graf Engelbert I in diesem Jahr starb.

Um 1206 wurde Düsseldorf eigene Pfarre und Bilk unabhängig.

Der rechtsrheinische Zweig der Grafen von Berg starb langsam aus, zwei Familienmitglieder starben bei Kreuzzügen. Engelbert I in Sibirien, Adolf II vor Damiette 1218. Seine Tochter war mit Heinrich von Limburg vermählt. Die von der Tochter beanspruchte Grafschaft Berg mußte am Erzbischof Engelbert abgetreten werden.

Erzbischof Engelbert wurde ermordet, nun erhielt Heinrich von Limburg Zugang zu seinem ererbten Besitz im Bergischen Land . Dieser Besitz blieb bis 1348 im Besitz seiner Familie. Die gesamte Regentschaft Heinrichs von Limburg war überschattet von Kämpfen mit den Erzbischöfen. Heinrich und Konrad und mit den Grafen von der Mark. Auch die weitere Umgebung von Düsseldorf wurde durch diese Kämpfe verwüstet.

Der Nachfolger von Heinrich von Limburg, Adolf der VI schloß sich im Gegensatz zu seinem Vater, dem Kölner Erzbischof Konrad, durch Heirat mit ihm verschwägert, an.

Solange die Erzbischöfe von Köln. an dem Anspruch festhielten , nicht nur Herren über ihr eigenes Land, sondern auch Oberherren über sämtliche benachbarte Gebiete des Niederrheins zu sein, war kein dauerhafter Friede möglich.

Die Macht und der Einfluß der kölner Erzbischöfe war so groß, daß die einzelnen Grafschaften nur auch Weiterbestand hoffen konnten, wenn sie enge Bündnisse untereinander schlossen. Auch die Grafen von Berg wurden so, weil sie ihre Interessen vertraten, Gegner der Erzbischöfe von Köln.

Mit dem Tod der Schwäger Graf Adolf VI, gestorben 1259, und Erzbischof Konrad, gestorben 1261, endete auch der Friede zwichen dem Erzstift und dem Lande Berg.

Graf Adolf oder richtiger seine Mutter und Vormund verbündete sich 1262 mit der Stadt Köln gegen den Erzbischof. Das erste Vorgehen aber blieb erfolglos.

Die Stadt wehrte zwar den Aufruhr der Zünfte in ihren eigenen Mauern ab, aber ihr Verbundeter, der Graf von Berg, mußte sich am 26. Juni 1964 zwangsweise mit dem Erzbischof Engelbert verbünden. Schon drei Jahre später nahm Graf Adolf bei der Schlacht am Marienholz bei Zülpich als Mitstreiter Graf Wilhelms von Jülich (Siegel nebenstehend) teil. Erzbischof Engelbert mußte als Gefangener des Grafen sich auf einen Frieden einlassen.

Die altüberlieferte Politik der kölnischen Kirche wurde von dem neuen Erzbischof Siegfried von Westerburg wieder aufgenommen. Die Differenz zwischen Berg und dem Erzbischof wurde schon bei der Wahl des Erzbischofs entfacht: Siegfried wurde vom Papst ernannt, sein Gegenkandidat der Domkanonikus und Propst von Mariengnaden, Konrad von Berg, wurde trotz seiner Postulation durch das Domkapitel übergangen.

Siegfried zeigte sich der Stadt Köln gegenüber versöhnlich und nachgiebig, denn ihm war bekannt, daß Graf Adolf auch mit Waffengewalt durchsetzen würde, daß sein Bruder Erzbischof von Köln würde.
Durch die Ernennung eines Schiedgerichtes am 6. März 1266 fand der Streit eine vorläufige Unterbrechnung, ein Friede wurde jedoch nicht erzielt.

Graf Adolf von Berg gehörte zu den Teilnehmern des großen Fürsten- und Adelsbundes der am 7. April 1277 gegen Siegfried beschlossen wurde. Auch hier bewies sich der Erzbischof als stärkerer und geschickterer Gegner

Erzbischof Siegfried zog mit seinem Heer und dem Bürgeraufgebot von Köln und Koblenz gegen den Grafen von Jülich zu Feld als Schützer des Landfriedens und des Handels.

Die Jüicher Burg in Worringen wurde im Okt 1277 erobert und die Stadt Sinzig für den Erzbischof gewonnen. Diese Strategie machte Graf Adolf nahgiebig: Er trat aus dem Bund gegen Siegfried aus und erneuerte sein Lehensverhältnis mit dem Erzstift.

Am 1. April 1279 beschloß eine Sühne den scheinbar von neuem entfachten Streit. Die festen Türme des Grafen von Monheim und Mülheim waren erobert und sollten nicht wieder aufgebaut werden. Selbstverständlich war der besiegte Graf immer noch Gegner Siegfrieds und suchte jede günstige Gelegenheit zu Rache und Vergeltung.

Als Rudolf I dem Erzbischof 1282 die Abtretung der Reichsburg Kaiserswerth abnötigte war Adolf eifriger Helfer des Königs, weniger im Interesse des Reiches als zum eigenen Nutzen.

Mit dem Verlust von Kaiserswerth verlor der Erzbischof einen wichtigen Stützpunkt gegenüber dem Bergischen Land , dem die 1276 gegründete Stadt Ratingen an Festigkeit nachstand.

Andere noch wichtigere Interessensgegensätze zwischen dem Erzbischof und den niederrheinischen Fürsten wirkten schon um diese Zeit mit. Der 1280 verstorbene Onkel Adolfs, Herzog Walram von Limburg, hatte nur eine, mit Graf Rainald von Geldern vermählte, Tochter, Irmgard, hinterlassen. Nach dem kinderlosen Tod dieser Erbtochter erhob Graf Adolf als nächster Aknat Anspruch auf das Herzogtum Limburg. Da Graf Adolf gegenüber Rainald kaum seine Erbansprüche durchsetzen konnte, verkaufte Adolf sein Erbrecht an Herzog Johann von Brabant . Der nun beginnende Kampf um das limburger Erbe weitete sich auf alle Einzelzwistigkeiten zwischen dem Erzbistum und seinen Gegner aus.

Der Erzbischof Siegfried und seinen Verbündeten, die Grafen Rainald von Geldern und Heinrich von Luxenburg, sahen sich der Brabanter Partei gegenüber, der sich alle vom Erzbistum bedrohten Grafschaften und auch die Stadt Köln anschlossen. Zu diesem Zeitpunkt fanden keine größeren Schlachten statt.

1287 wurde noch einmal der Versuch einer friedlichen Einigung unternommen.

Erst Anfang 1288 wurde das Rheinland Hauptkriegsplatz. Das Bergische Land wurde durch den Erzbischof furchtbar verwüstet bis ihn das herannahende Brabanter Heer zum Abzug bewog. Es gelang ihm jedoch seine Gegner wieder nach Brabant zurück zu drängen.

Der zweite Einfall der Brabanter in das kölnische Gebiet führte am 5. Juni 1288 zu der entscheidenden Schlacht bei Worringen.

back.gif - 0,20 K
Zurück