II. Die Düsseldorfer Ursulinenschulen zur Zeit des Alten Reiches

Auf Grund des Verlustes von wesentlichem Quellenmaterial wissen wir nicht mehr, wann die ersten selbständigen Schulgebäude der Ursulinen errichtet wurden. Da sie sich an der Ursulinengasse zwischen Ritterstraße. und Reuterkaserne befanden, deren Eckbau bis zum Bombenangriff zu Pfingsten 1943 die kulturhistorisch bedeutsam Herz-Jesu-Kapelle der Ursulinen (Weihe 30. Mai 1700)1 einnahm, dürften die allerdings sehr einfachen) Gebäude für die Schulen etwa gleichzeitig errichtet worden sein; 1707 wurde eine "newe auswendige schul" errichtet2, 1724 mußte diese wiederum "extendirt" werden3. Beide Fakten belegen eine ziemliche Frequenz der Schule zu Beginn des 18. Jahrhunderts.

Diese läßt sich quantitativ nur an den im sog. Dotenbuch (DB) bzw. im sog. Rechnungsbuch (RB) festgehaltenen Einnahmen aus beiden Instituten verifizieren. Leider sind auch hier Namen und Zahlen von Schülerinnen nicht erhalten. Aus dem tradierten Zahlenmaterial läßt sich lediglich die Tendenz der Entwicklung ablesen, wie es schon in der Festschrift von 1981 versucht wurde4.

Daß während der ersten Hälfte des 18. Jhs. die Schulen und das Kloster geblüht haben, ergibt sich aus der Tatsache der verschiedenen Tochtergründungen, die von Düsseldorf ausgehend errichtet wurden: Noch zur Zeit und unter besonderer Anteilnahme Johann Wilhelms im wittelsbachischen Stammland in Neuburg a.D. seit 16965 (von dort aus wurden1751 Kloster und Ursulinenschule in Ingolstadt gegründet)6; nach 1735 auch in Elten am Niederrhein7. Beide Tochtergründungen wurden allerdings in der Säkularisationsepoche von Staats wegen eingezogen.

Seit der Mitte des Jahrhunderts setzte ein Niedergang von Schulen und Kloster der Düsseldorfer Ursulinen ein. 1756 schon mußte der Erzbischof eine Visitation im Kloster durchführen lassen; dem dabei aufgestellten Protokoll verdanken wir interessante Einblicke in das innere Leben des Hauses8. Schwierigkeiten in der klösterlichen Gemeinschaft, zweifellos auch die Tatsache, daß das Kloster insgesamt über wenig finanzielle Mittel verfügte (die Stadt bestand von Anfang an darauf, daß nur die Gelder, die Novizinnen mit ins Kloster brachten, und Einnahmen aus den Schulen für den Unterhalt Verwendung finden sollten ) und selbst in der Blütezeit vielfach Hilfen von der Krone, von den Landständen, von benachbarten Klöstern, auch von dem gutsituierten Neuburger Kloster erbitten mußte, strahlten auf die Lage der Schulen aus. "Frostig« wurden die Zeiten9, als in Düsseldorf die Aufklärung ihre Wirkung zu entwickeln begann. Schon 1756 "manquirte" es an der auswärtigen Schule; in der Folgezeit war auch die Frequenz in der Französischen Schule eher dürftig, riß gleichwohl nie ganz ab.

Die Konsolidierungsarbeit lag im wesentlichen auf den Schultern der Oberinnen M. Wilhelmina Lemmen, Tochter des jülichschen Stadt- und Milizmedicus Joh. Balthasar Lemmen, und denen der Schwestern M. Isabella und M. Caroline von der Ruhr aus Rheinberg, die mit der Neußer Patrizierfamilie Jordans verschwägert waren und von diesen in schwierigen Zeiten erhebliche Mengen an Naturalien geschenkt bekamen10.

Den 1779 notwendig werdenden Neubau des Schulgebäudes finanzierten die Schwestern mit Mühen und nur durch Kollekten, die im Bergischen und in pfälzischen und bayerischen Gemeinden abgehalten werden konnten11. 1781 im Zusammenhang mit den genannten Aufbaumaßnahmen erhalten wir erstmals eine Zahl hinsichtlich der die Ursulinenschule besuchenden Kinder: Es sind "80 und meeren", meist aus dem nördlichen Altstadt-Bezirk, besonders aus der Reuterkaserne12. Für 668 Rtlr. wird der (abermals schwach ausgebildete) Neubau als Fachwerkbau mit Verschieferung (!) schließlich errichtet13.

Zu diesem inneren Auszehrungsprozeß kamen die kriegerischen Gefährdungen: 1702 (17. Mai) mußten die Ursulinen vor den Auswirkungen des Span. Erbfolgekrieges fliehen14; 1756 (nach Beschießung der Stadt am 29. Juni) löste sich gar der Konvent auf, weil die Schwestern sich in verschiedene rheinische Orte retten mußten; anschließend lag Besatzung im Kloster mit allen Folgen für Finanzen und Hygiene15;

1792ff lebten zahlreiche frz. Emigranten, Geistliche - aber auch 35 Kinder im Kloster16; die Bombardierung und den Stadtbrand im Oktober 1794 erlebten Schwestern und Pensionäre auf der Flucht nach Derendorf. Die Besetzung (und anfängliche Plünderung) der Stadt bezahlten die Ursulinen mit dem Verlust des Kirchensilbers.

   1. CU 34
   2. desgl. - CU l02
   3. E. Hegels Feststellung, "Mädchen aus unvermögenden Kreisen (seien von einer schulischen Versorgung) keineswegs ausgeschlossen" gewesen, ist nach diesen Angaben für Düsseldorf zu schwach formuliert (Gesch. d. Ebtms Köln, Bd. IV, 1979; S.414)t
   4. FS 67f
   5. FS 72; CU 36; HbbayrG III,2 S.l062 (falsches Datum)
   6. Neuburger Kollektantenblatt VI (184o); S. 2o
   7. HStAD, Kl. Nieder-Elten A1; S.1
   8. HStAD, Kurköln VIII 419/6
   9. So formulierte 1780 der geistliche Klosterkommissar Ph. Ricker (HStAD J-B II 615, 14ff)
  10. Nachweise im DB pass.
  11. HStAD, J-B II 614; 62ff
  12. l. c. 100
  13. RB 89 u. HSTAD, Reg. Df 3896 (unpag. )
  14. CU 35
  15. RB 3
  16. RB 104ff

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