Gedenkwoche zu den Novemberpogromen 1938

Plünderungen in Düsseldorf beim den Pogromen im November 1938
Plünderungen in Düsseldorf beim den Pogromen im November 1938
Datum:
14. Nov. 2018
Von:
Marcus Rasche

Wie schon oft in der Vergangenheit, so setzte sich anlässlich des Jahrestages der Pogromnacht 1938 auch in diesem Jahr eine Schülergruppe unseres St.-Ursula-Gymnasiums mit dem Schicksal einer jüdischen Düsseldorfer Familie auseinander – an diesem 9. November 2018 mit dem der Familie Jacoby: mit dem der Eltern Ella und Arthur, mit dem der Kinder Inge und Klaus. Entsprechende historische Dokumente (Briefe, Tagebucheintragungen, Akten, Bildmaterial usw.) stellte die Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf zur Verfügung.
Die Familie Jacoby bietet gleich zwei Aspekte, welche die Beschäftigung mit ihr zu einem uns auch heute noch bewegenden Unterfangen werden lassen: Zum einen spiegelt sie die Ereignisse der Shoa wider, den unbedingten Willen, Millionen von Menschen gezielt zu vernichten: dem fielen Ella und Arthur zum Opfer. Zum andern steht sie exemplarisch für die Flüchtlingsströme von Millionen, welche sich damals wie heute aufgrund massiver politischer Verfolgung und wirtschaftlichen und sozialen Elends in Bewegung setzen, was zur Zerrissenheit unzähliger Familien führt(e): Dafür stehen Inge und Klaus, die nach Südafrika (1938) bzw. in die USA (1939) fliehen konnten.
Ein erster Höhepunkt der Gedenkwoche war der Besuch Jessica Jacobys am 7. November bei uns in der Schule, einer Berliner Historikerin, Filmemacherin, Autorin und Frauenrechtlerin. Sie, die Tochter des o.g. Klaus Jacoby, erzählte vor 160 interessierten Schülerinnen und Schülern der Jahrgangsstufen 9-12 eindrücklich von ihrer Familiengeschichte und ihren Erfahrungen.
Ein weiterer Höhepunkt war die Rede von SchülerInnen unseres zwölften Jahrganges im Landtag, die von der ganzen Gruppe (ein Religionskurs) vorbereitet und von vier Vertretern vorgetragen wurde. Vor Jessica Jacoby, Vertretern der jüdischen Gemeinden in NRW, dem Landtagspräsidenten, dem Ministerpräsidenten, dem Düsseldorfer OB, zahlreichen Abgeordneten und Gästen skizzierten sie in überaus bewegender Weise das Leben der Familie Jacoby und mahnten zur Wachsamkeit gegenüber völkischem und rassistischen Denken – womit sie nicht nur vielen Besuchern – wörtlich – die Tränen in die Augen trieben, sondern auch langanhaltenden Applaus ernteten.

Aufzeichnung der Rede unserer Schülerinnen und Schüler im Landtag anlässlich der offiziellen Gedenkveranstaltung in Erinnerung an die Pogromnacht vor 80 Jahren (ab Minute 60).