Zum Inhalt springen

Premiere gelungen: Schulwettbewerb „Jugend debattiert“ setzte ein starkes Zeichen für Debattenkultur

Gemeinschaftsfoto der Altersgruppe I <br></br>
Datum:
17. Feb. 2026
Von:
Lukas Schötz
Das Moderatorinnenteam

Am Mittwoch und Donnerstag, dem 28. und 29. Januar, fand an unserem St.-Ursula-Gymnasium erstmals der schulinterne Wettbewerb von „Jugend debattiert“ statt. Zwei Tage lang drehte sich alles um die besten Argumente und die Kunst des fairen Streitgesprächs. 

„Jugend debattiert“ ist ein bundesweiter Wettbewerb, der Schülerinnen und Schüler dazu ermutigt, gesellschaftlich relevante Fragen sachlich und respektvoll miteinander zu diskutieren. Bewertet wird dabei nach den Kriterien Sachkenntnis, Ausdrucksvermögen, Gesprächsfähigkeit und Überzeugungskraft. Die Debatten folgen einem klaren Aufbau: Jeweils zwei Debattierende stehen auf der Pro-Seite, zwei auf der Contra-Seite. In Eröffnungsrunde, freier Aussprache und Schlussstatement wird eine Streitfrage aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet. So entsteht ein Format, das während der Debatte konzentriertes Zuhören, aufeinander Eingehen und präzises Argumentieren verlangt. 

Hinter den Debatten steht zudem ein enormer persönlicher Einsatz vieler Teilnehmender. Zahlreiche Schülerinnen und Schüler investierten zu Hause viele Stunden in Recherche, Argumentationsaufbau und Probedebatten. Die intensive Vorbereitung zeigte sich in der hohen inhaltlichen Qualität der Beiträge. 

Starker Auftakt: 28 Debattierende kämpfen um die Finalplätze
Am Mittwoch (28.01.) startete der Qualifikationstag. In der Altersgruppe I (8.-10. Klasse) debattierten 16 Schülerinnen und Schüler, die sich zuvor in ihren Klassenwettbewerben durchgesetzt hatten. Bemerkenswert: Dabei bekamen die Teilnehmenden zwar 10 Tage vor dem Wettbewerbstag die drei Wettbewerbsthemen, erfuhren aber erst am Morgen, auf welcher Position (Pro oder Contra) und mit wem sie welche Streitfrage debattieren – und das Ganze nach den Klassenwettbewerben erstmals materialfrei, also vollständig ohne mitgebrachte Notizen. Nach einer ca. 90-Minütigen Vorbereitungszeit ging es dann in die erste Runde. Hier lautete die Streitfrage: „Sollen Schülerinnen und Schüler ihre Schule selber putzen?“ 

In der Rückrunde präsentierten die Debattierenden sich jeweils vor einer neuen Jury und bekamen neben veränderten Positionen auch neue Teampartner zugelost. So wurde in der Rückrunde die folgende Frage debattiert: „Soll das Wahlalter zur Bundestagswahl auf sieben Jahre gesenkt werden?“

Nach inhaltlich anspruchsvollen, spannenden und teils sehr engen Debatten standen die vier Finalisten fest: Paula (9b), Rafael (10a), Lucio (10b) und Sarina (10c) bekamen von den Jurys in der Qualifikationsrunde der Altersgruppe I die höchsten Punktzahlen und belegten somit die ersten vier Plätze.

Für die Altersgruppe II (EF und Q1) qualifizierten sich über die Sozialwissenschaften-Kurse zwölf Schülerinnen und Schüler der Oberstufe. Hier wurde in der ersten Qualifikationsrunde zunächst die Frage verhandelt: „Sollen schriftliche Prüfungen für den Schulabschluss am Computer geschrieben werden?“ Die beiden stärksten Debattierenden jeder Debatte erreichten das Halbfinale, das durch die beiden punktbesten Dritten ergänzt wurde. Auch hier ergaben sich so neue Konstellationen, die in den zwei Halbfinals die Frage debattierten: „Soll ein elternunabhängiges BAföG für alle Studierenden eingeführt werden?“

Als Finalisten setzten sich schließlich Greta (EF), Robin (Q1), Konrad (Q1) und Frederic (Q1) durch.

Altersgruppe I

Volles Haus im alten MusiksaaI (R. 907): Altersgruppe I debattiert Austausch zwischen Ost und West
Das Finale der Altersgruppe I fand in der 3./4. Stunde im prall gefüllten alten Musiksaal (Raum 907) statt. Nach der Anmoderation durch Victoria und Lina (beide Q1), die das Publikum mit den Regeln und Abläufen der Debatte vertraut machten, betraten unter großem Applaus die vier Finalisten die Bühne. Die Streitfrage lautete: „Soll es einen alljährlichen Schüleraustausch zwischen alten und neuen Bundesländern geben?“

Auf der Pro-Seite debattierten Rafael und Paula, auf der Contra-Seite Lucio und Sarina. Beide Teams zeigten, wie intensiv sie sich in das Thema eingearbeitet hatten. Rafael und Paula betonten die Notwendigkeit, das ehemals geteilte Deutschland noch stärker zusammenzuführen und bestehende Unterschiede in Lebensrealitäten sichtbar zu machen. Lucio und Sarina hielten dagegen, dass ein solches Narrativ alte Trennlinien künstlich wiederbelebe und zudem wertvolle Möglichkeiten für europäischen Austausch verdrängen könnte.

Am Ende überzeugte Rafael die Jury mit dem stärksten Gesamtauftritt, knapp gefolgt von Sarina.

Während der Beratungszeit der Jury blickten die Finalisten gemeinsam mit den Moderatorinnen Lina und Victoria auf den Wettbewerb zurück. Besonders hervorgehoben wurden die intensive gemeinsame Vorbereitung und der dadurch entstandene Teamgeist unter den Debattierenden. Fast einstimmig berichteten die Teilnehmenden außerdem, dass sich ihre Haltung zu einzelnen Themen im Laufe der Recherche verändert habe. Konkret ging es um die Frage, ob das Wahlalter zur Bundestagswahl auf sieben Jahre gesenkt werden solle. So berichtete etwa der spätere Sieger Rafael, dass er zu Beginn seiner Auseinandersetzung mit dem Thema nicht damit gerechnet hätte, dass er auch für die Herabsetzung des Wahlalters Sympathien entwickelt.  

Altersgruppe II

Generationendebatte auf der Bühne: Dienstpflicht für Rentner? 
In der Altersgruppe II bekamen es die Debattierenden mit der Frage zu tun: „Soll eine allgemeine Dienstpflicht für Rentner eingeführt werden?“. Silas und Eddie (ebenfalls Q1) moderierten die Veranstaltung stimmungsvoll an, bevor auf der Pro-Seite Greta und Robin, auf der Contra-Seite Frederic und Konrad die Debatte führten. Greta und Robin schlugen ein verpflichtendes Dienstjahr für gesundheitlich geeignete Rentner vor und beleuchteten die Generationengerechtigkeit vor dem Hintergrund des demographischen Wandels aus einer ungewohnten Perspektive. Frederic und Konrad kritisierten die Maßnahme der Pro-Seite als unzumutbar und im Hinblick auf die Herausforderungen des demographischen Wandels auch wenig zielführend.

Die Jury sah trotz einer rhetorisch starken Pro-Seite die überzeugenderen Argumente bei der Contra-Seite. Besonders Frederic gelang es nach Ansicht der Jury mit seiner ruhigen, sachlichen Argumentationsweise, die Argumente der Gegenseite gezielt zu entkräften. Er setzte sich knapp vor seinem ebenfalls auf Contra debattierenden Teampartner Konrad durch und ist der erste Sieger unseres Schulwettbewerbs der Altersgruppe II.

Gemeinschaftsprojekt mit Zukunft
Begleitet wurde der Wettbewerb von knapp 30 Jurymitgliedern. Viele von ihnen hatten bereits im Dezember an einer Jury-Schulung teilgenommen und sind Teil des Projektkurses zum Debattieren von Herrn Walter.

Ein herzlicher Dank gilt allen, die unseren ersten Schulwettbewerb unterstützt haben: den Debattierenden, den Jurorinnen und Juroren, den Kolleginnen und Kollegen sowie den Helferinnen und Helfern – ob als Zeitwächter, Ersatzkandidaten oder im Turnierbüro. Ein besonderes Dankeschön auch dem Förderverein, der die Preise für die Finalisten sponserte!

Und wer dachte, nach dem Finale sei Schluss gewesen, irrte: Im Anschluss wurde in vielen Klassen und Kursen munter weiterdebattiert. Über die Streitfragen, Argumente und auch über Juryentscheidungen. Gerade diese Gespräche zeigten, wie ernst die Teilnehmenden und Zuschauer die Debatten nahmen und erreichten damit ein zentrales Ziel von Jugend debattiert: Interesse an politischen und gesellschaftlichen Fragen zu wecken und eine respektvolle Streitkultur an unserer Schule zu fördern, die über die eigentliche Bühne hinauswirkt. Besonders positiv zu erwähnen ist hier der Zuspruch, den die in den Finaldebatten unterlegenen Kandidaten erhielten. Auch wenn es am Ende nicht für den ersten Platz gereicht hatte, nötigte die Leistung ihren Mitschülerinnen und Mitschülern sowie der Jury größten Respekt ab. 

Und in einem weiteren Punkt schien man sich ebenfalls einig zu sein: Der Wettbewerb soll im nächsten Jahr wieder stattfinden. Dazu besteht die Hoffnung, bald auch an weiteren Wettbewerbsebenen von „Jugend debattiert“ teilnehmen zu können und sich mit Schülerinnen und Schülern anderer Schulen zu messen. Weitere Informationen zum Projekt an unserer Schule finden sich auf unserer Homepage hier sowie auf www.jugend-debattiert.de.

3 Bilder