VI. Retablierung und Wandlungen nach der Katastrophe

Unter mühseligsten Bedingungen begannen die Ursulinen 1945 - wie alle Überlebenden der Stadt den Wiederaufbau, zugleich von Kloster und Schule. Noch im Herbst 1945, nachdem die Schulen wieder ihre Arbeit aufnehmen durften (Genehmigung der britischen Besatzungsmacht; erst zu diesem Zeitpunkt wurde Französisch als erste Fremdsprache durch Englisch ersetzt), begann St. Ursula mit 45 Schülerinnen. Die Zahl wuchs mit zunehmender Enttrümmerung des Geländes und notdürftigster Herstellung der Klassen bis zur Errichtung der (älteren) Bundesrepublik über 180, 280, 376 auf 457 an.

Seit Inkrafttreten des Grundgesetzes als des in der deutschen Verfassungsgeschichte bislang freiheitlichsten Staatsrechts-Dokuments für Schulen in privater und/oder kirchlicher Trägerschaft (relevant Art. 7 GG) und der Landesverfassung von Nordrhein-Westfalen (relevant Art. 8) besaßen die Ursulinen in Düsseldorf und die von ihnen getragenen katholischen Angebotsschulen wieder einen verfassungsmäßigen Stellenwert im Rahmen einer offenen, pluralistischen Gesellschaft. Im Zuge der mit dem Erfolg der Staatsgründung einsetzenden zweiten Säkularisierungswelle in der deutschen Geschichte erfolgten dann allerdings zwei Brüche - oder Modifikationen - der Schultradition: Zumindest zeitweilig galt es als ausgemachte Sache in der öffentlichen Diskussion, daß die pädagogische Entwicklung ein eigenständiges Mädchenschulwesen nicht mehr erforderlich machte. Start- und Bildungschancen des weiblichen Geschlechts hatten sich wohl weitgehend denjenigen ihrer männlichen Kollegen angeglichen. Andererseits: lm Gegensatz zur schulischen Situation in anderen rheinischen Großstädten gab es in der Innenstadt Düsseldorfs keine christlich geprägte Angebotsschule, die den Bedürfnissen katholischer Eltern und Schüler dienen wollte. So ist zu verstehen, daß die Einführung der Koedukation in enger Verbindung mit der Übernahme der Trägerschaft der sehr groß gewordenen Schule, die seitdem auch im Namen als Gymnasium firmierte, durch das Erzbistum stand.

Im nördlichen Altstadt-Bereich ist der Schulkomplex des St. Ursula-Gymnasiums und der Fachschule zur Ausbildung von Erzieherinnen, insbesondere seit Eröffnung des künstlerisch bemerkenswerten Erweiterungsbaus (auf dem Grund des seit dem beginnenden 19. Jahrhundert aufgelassenen Kreuzherrenklosters), weiterhin ein Ort der Arbeit an den Lebenschancen und den Entfaltungsmöglichkeiten der jungen Generation aus dem Geiste der Botschaft Jesu.

© Hans Ulrich Krumme

 

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