Impuls aus der Schulpastoral zur Heiligen Angela

Datum:
27. Jan. 2021
Von:
Kerstin Wienen

„Haltet euch an den alten Weg ...“,

Diese erste Teilaussage der Hl. Angela Merici scheint auf den ersten Blick weder kreativ noch innovativ, sondern konservativ und traditionsfixiert zu sein. Wir denken an Routine.

Routine – einerseits eröffnet sie uns Türen, erleichtert uns das Leben, führt dazu, dass wir uns wohl und sicher fühlen, lässt uns Zeit und Energie sparen, entstresst, automatisiert und schenkt uns Freiräume.
Routine – andererseits versperrt sie auch den Blick für Veränderungen, sperrt uns ein in ein „Hamsterrad“ und lässt uns vielleicht auch zu Sklaven fixer Vorstellungen werden.

Gedankenimpuls:
Wie sieht meine aktuelle Situation aus (auch wenn gerade zur Zeit alles „anders“ ist)? Bin ich auf Sicherheit bedacht? Was geschieht nur noch aus Routine, ohne Freude zu bereiten? Bin ich offen für Veränderungen?

...“ und lebt ein neues Leben“ - diese zweite Teilaussage eröffnet Perspektiven, ist zukunftsorientiert, motivierend und mitreißend. Sie beinhaltet die Aufforderung nicht im alten Trott, in der Routine zu verharren, sie erfordert Mut zum Umdenken, Vorausdenken, um Neues zu schaffen, dem Leben eine Wendung zu geben, initiativ und kreativ zu werden: Das Leben freiheitlich und verantwortlich für sich und andere neu zu gestalten.
Offen sein für die Fragen und Anliegen der Mitmenschen, mit ihnen zusammen unterwegs sein, sich mit Gott auf Neues einlassen – so wie Angela Merici :
Fasziniert vom einfachen Lebensmodell eines Franz von Assisi hat auch sie in Armut, Ehelosigkeit und Gehorsam leben wollen; allerdings nicht hinter Klostermauern, sondern mitten in der Welt. Die Frauen der von ihr begründeten Gemeinschaft haben sich zwar regelmäßig getroffen, etwa zum gemeinsamen Gebet, sonst aber erstaunlich emanzipiert in der Welt gelebt und sich der schulischen Bildung und die Krankenpflege gewidmet.
Angela Merici hat damit – auch entgegen der gesellschaftlichen Konventionen ihrer Zeit und dem Widerstand mancher Kirchenoberen – ein völlig neues Modell begründet, wie Christsein in Gemeinschaft gelebt werden könne. Ihr Lebensmotto hat sie wie folgt formuliert: Handeln, wie der Geist es eingibt. Weitergeben, was Jesus lehrt. Auf bewährten Wegen Neues wagen.

Gedankenimpulse:
Bin ich bereit, mich von Vergangenem zu verabschieden, mich wie Abraham auf ein unbekanntes „Abenteuer“ einzulassen oder wie Jesus Unkonventionelles zu tun?
Lasse ich mich – wie viele seiner „Miarbeiter“ von ihm rufen, ihm nachzufolgen?
Wo schafft Gott bei mir Neues?

Offen bleiben, Neues wagen
und nach Unbekanntem fragen.
All die altvertrauten Sachen
mal auf neue Weise machen.
Augen auf, genau hinsehen,
auch mal neue Wege gehen.
Richtung ändern, Zickzack laufen
und gemütlich dann verschnaufen.
Mal was Neues ausprobieren:
Seilchen hüpfen, balancieren.
Unsinn machen, Lieder singen,
fröhlich sein vor allem Dingen.
So kriegt die Alltäglichkeit
Mal ein gänzlich neues Kleid.
(Text: Gisela Baltes)